Gastbeitrag: Du bist nicht Dein Job!

von Kristin Scheerhorn

Das autonome Fahren macht weltweit Millionen LKW- und Taxifahrer arbeitslos. Schon in den nächsten Jahren. Was ist mit deinem Job?

Die digitale Transformation ist eine Bitch. Sie bedroht unsere Jobs. Sie bedroht unsere Existenz. Sie bedroht unsere Zukunft. Sie macht miese Laune, indem sie eine nie dagewesene Unsicherheit schürt. Das, was wir heute alles machen, machen morgen schon Supercomputer, Künstliche Intelligenzen, Algorithmen, Social Bots, autonome Autos, biosynthetisches Leben (Artificial Life), Gehirnsimulatoren, hybride Menschen, Machine Learning-Algorithmen, DAC’s (Decentralized Autonomous Corporations) und COG’s (Cognitive Computers). Die alle wollen unsere Jobs! Und die kriegen sie, über kurz oder lang.

Deshalb ist die Frage nicht: Kommt die Zukunft? Sondern: Wie gehe ich mit dieser galoppierenden Unsicherheit um? Viele denken, das sei eine philosophische Frage. Das ist sie nicht. Es ist eine handwerkliche Frage. Wenn du Menschen beobachtest, die sich von den Bedrohungen der Zukunft nicht bedroht fühlen, sondern cool und souverän, ja sogar zuversichtlich bis begeistert bleiben, fällt dir einiges Handwerkliche auf.

Zum Beispiel: Während die Verunsicherten fünf Minuten am Stück über die Bedrohungen der Zukunft reden können, können das die souveränen Typen nur zehn Sekunden. Die restlichen vier Minuten und 50 Sekunden reden sie nicht über die zahlreichen Bedrohungen, sondern über die zahlreichen Optionen, Chancen und Möglichkeiten der digitalen Transformation. Zehn Sekunden „Oje, mein Job bricht weg!“ und vier Minuten 50 „Was könnte ich sonst noch machen? Was liegt mir? Was wollte ich sowieso schon lange mal machen? Und welche neuen Möglichkeiten bietet mir die digitale Transformation, die natürlich Bitch und Fortuna mit Füllhorn in einem ist?“

Die Bitch, die deinen Job killt, schafft dafür drei neue: Social Media Manager, Influencer, Cyber-Security Manager, Data Miner, Digital Data Officer, Data Analyst, Process Miner … Jeden Tag entstehen neue Berufe. Und, nein, liebe Pessimisten, für keinen braucht man ein Zweitstudium oder eine dreijährige Ausbildung. Hey, die ganzen Startups machen die neuen Jobs doch aus der Garage heraus. Das Wissen dazu findet sich größtenteils online. Und es gibt ja auch noch Bücher und Seminare, Praktika, Schnupperprojekte und Co-Working Spaces. Unsicherheit ist keine Frage der Bedrohung, sondern der inneren Einstellung. Viele verstehen das nicht.

Vor allem jene nicht, denen ihr Job ihr ein und alles ist. Die sich voll und ganz mit ihrem Beruf identifizieren. Das ist eine brandgefährliche Reduktion deiner Identität. Diese Überidentifikation macht zwar Spaß (weil sie Identität stiftet) – aber du bist mehr als bloß ein Job. Viel mehr. Jetzt schon, was ein zweites Handwerkszeug bei Unsicherheit ist: Aus neu mach alt.

Unsicher sind wir immer nur, wenn wir etwas für neu, also für unbekannt und damit überfordernd halten. Das ist es aber nicht. Dein alter Job hat dich schon perfekt auf deinen neuen vorbereitet! Du hast es bloß noch nicht bemerkt. Dazu ein aktuelles Beispiel.

170 Einkäufer eines Unternehmens verlieren ihren Job an Buyer Bots (Einkaufsroboter). Das Unternehmen bietet allen einen neuen Job an: Supplier Relationship Manager. 150 Einkäuferinnen und Einkäufer schieben Panik: „Das war nie unsere Kernaufgabe! Wir haben bis jetzt Orders geschrieben und jetzt sollen wir Lieferanten pflegen? Das ist was ganz anderes.“ Wenn es das wäre, wäre die Panik berechtigt – und akut unheilbar. Glücklicherweise denken nur 150 Einkäufer so.

20 denken und sagen es auch: „Was soll daran neu sein? Wir haben doch alle auch bisher schon immer mit Lieferanten geredet, auch oft auf gleicher Augenhöhe und von Mensch zu Mensch. Vielleicht nicht jeden Tag, weil wir jeden Tag 80 Bestellungen abwickeln mussten. Aber doch so oft, dass das nichts Neues mehr ist. Der einzige Unterschied ist: Jetzt haben wir viel mehr Zeit dafür. Ist doch schön!“

Es gibt innere Einstellungen, die aus einer Unsicherheit erst eine Bedrohung machen. Und es gibt Mindsets (so nennt man heute Einstellungen), die aus einer neuer Bedrohung etwas Altes machen und die Chancen aus der Bedrohung herauspicken. Welchen Mindset uns unsere Erziehung, die Sozialisation, unsere hysterischen Medien und das besorgte Umfeld aufschwatzen wollen, ist klar. Die Frage ist: Welche Einstellung wählst du? Und welche hältst du stabil auch unter dem Dauerbombardement der Negaholiker, Schwarzseher, Kassandras, Hysteriker und notorischen Pessimisten?

„This above all: To thine own self be true“, sagte Shakespeare. Eine konstruktive Einstellung stabil zu halten ist wie Joggen oder Mountain-Biken oder Spinning: Der Muskel macht’s. Eine untrainierte Einstellung ist futsch, sobald der nächste Blödmann uns dumm von der Seite anquatscht. Trainierte Muskeln sind stark, trainierte Einstellungen sind solide. Wir trainieren zwei, drei Mal die Woche Herz, Kreislauf, Muskeln und Faszien. Wie oft trainierst du deine Einstellung? Kratz dich nicht am Kopf, denk nicht drüber nach:

Just do it!

 

weitere Information zu Kristin und ihrem interessatnen Angebot finden Sie unter BE U Hambrug.

Sparringspartner gesucht! Coachingformate entwickeln sich fort.

Die aktuellen Herausforderungen im Beruf steigen kontinuierlich – so zumindest empfinden viele Führungskräfte und Mitarbeiter die aktuelle Situation. Immer neue Ziele und Herausforderungen, zunehmende Projekte und stetige Veränderungen prägen das Erleben im Alltag. Dies führt zunehmend dazu, dass Menschen sich immer häufiger überlastet oder auch überfordert fühlen.

Gerade Führungskräfte – egal ob in der Linie oder im Projekt – kennen das besonders. In ihren “Sandwichpositionen” ist es oft unbequem, denn nach oben gilt es gegenüber der Unternehmensleitung zu performen und Ergebnisse abzuliefern und gegenüber den Mitarbeitern gilt es empathisch zu sein und alle mitzunehmen. Diese Herausforderung ist groß!

Dazu kommt, dass in den letzten Jahren zunehmend ein Satz in vielen Unternehmen seinen festen Platz gefunden hat: “Dafür haben wir (gerade) keine Zeit!” Und so verständlich das auch sein mag, viele wichtige Freiräume für Gedankenaustausch, Selbstreflexion und eigene Fortbildung sind damit auf der Strecke geblieben.

Kennen Sie das nicht? Eigentlich bräuchte ich mal wieder Zeit für mich selbst! Ich müsste mich mal sortieren – bräuchte mal einen vertrauensvollen Gesprächspartner, der sich einfühlen kann, wie es mir geht und der mir mit Rat und Tat zu Seite steht. Der mir das Gefühl gibt, nicht allein zu sein, mit meinen Herausforderungen!

Doch wer kann ein solcher Gesprächspartner sein? Der Chef, dem gegenüber man aber keine Schwäche zeigen darf? Die Kollegen, die oft eher ein Teil des Problems darstellen? Gute Freunde, die leider von meinem beruflichen Tätigkeitsfeld nichts verstehen? Der Partner, der eh schon meine Stimmungsschwankungen auffangen muss? Nein – die passen alle nicht!

Der klassische Partner ist der Coach, der mit seinen Erfahrungen und Techniken nur für mich da ist. Doch Coachingprozesse sind längerfristig, erfordern diverse Sitzungen und kosten Zeit, die nicht vorhanden ist.

Auch die Coachingverbände haben dieses Spannungsfeld erkannt und so entwickeln sich auch die Formate der Business Coachs fort. Ein Trend macht aktuell unter dem Begriff “Sparring” bzw. “Business-Sparring” immer mehr die Runde.

Sparring kennen wohl die meisten aus dem Boxen – zur Vorbereitung auf den Kampf hole ich mir einen Sparringspartner! Einen Partner also, der mit mir den echten Kampf simuliert, der meinem echten Herausforderer möglichst ähnlich ist und mit dem ich trainieren und kämpfen kann – ohne dass es gilt einen Sieger zu ermitteln.

Diesen Ansatz verfolgt auch Business-Sparring, denn der Coach bietet sich mit seinen Erfahrungen und seiner Prozesskompetenz als ein solcher Gesprächspartner an. Nur eben nicht in einem längeren Prozess, sondern an einem spezifischen Punkt, an dem sein Klient gerade Unterstützung braucht.

Der klassische Sparringstermin liegt dabei zwischen ein und zwei Stunden und findet zumindest anfangs meist persönlich statt. Je nach Bedarf bleibt es bei einem Einzeltermin oder es folgen weitere, wenn der Klient diese zur Unterstützung im Prozess wünscht. Dabei können diese Termine auch am Telefon stattfinden, wenn es der Sache dient.

Auch inhaltlich verschwimmen im Sparring die klassischen Grenzen zwischen Beratung und Coaching, weil dies zielführend ist. Je nach Anliegen des Klienten werden entweder Coachingformate eingesetzt oder aber der Coach nutzt seine eigenen Managementerfahrungen, um dem Klienten Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. So entsteht echtes Sparring – mal als Impulsgeber, mal als Herausforderer, mal neue Erkenntnisse vermittelnd und mal Helfer, neue eigene Erkenntnisse zu gewinnen.

So entsteht eine Form der Unterstützung, die viele der anfangs genannten Problemstellungen löst:

  • mein Partner versteht mich, weil er selbst ähnliche Situationen erlebt hat.
  • mein Partner hat keinerlei Eigeninteressen und ist nur für mich da, ich kann ihm vollständig vertrauen.
  • mein Partner ist flexibel und nimmt Rücksicht auf mein knappes Zeitbudget.
  • meine Diskretion wird vollständig gewahrt.

Es verwundert daher nicht, dass Sparring aktuell immer mehr nachgefragt wird. Gut, dass auch im Lager der Coachingverbände inzwischen der Freiraum für solche Lösungsansätze besteht.

weitere Informationen zu unseren Sparringsangeboten finden Sie hier:

Business-Sparring MP

Zum Schmunzeln: Mario und Ziele im Coaching…

Als ich 2010 meine Prüfung zum Business Coach hatte, beendete ich diese mit den Worten: “Ich weiß liebe Prüfungskommission, ich habe vergessen, ein Ziel zu vereinbaren.”

Das stellte die Prüfer natürlich vor die Herausforderung, wie sie damit umgehen sollten. Das Ziel lag so klar auf der Hand und meine Coachingnehmerin war nach dem Coaching so happy, dass sie zum Glück Gnade vor Recht ergehen ließen. Ich bestand!

Nun belegt eine Studie mit 366 Coaches in 22 Ländern und fast 1900 Klienten, dass es im Coaching immer dann besonders gut läuft, wenn die Ziele klar heraus gearbeitet wurden…

Na man gut, dass auch ich es inzwischen erkannt habe….

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“TopCoach” – viel Ärger um ein Siegel, ein unsinniger Begriff und die vermeindlich geprüfte Qualität

Eine ganze Branche diskutiert ein neues Siegel, den “TopCoach”. Ein Ranking und eine Auszeichnung, die Focus und Xing erstellt und veröffentlicht haben. Und die man sich fürstlich bezahlen lässt, denn wer damit werben möchte (und wofür sonst brauche ich ein Siegel?), der muss pro Kategorie satte € 5.000 p.a. an die Initiatoren bezahlen. Wenn diese Summe mal nicht besser in der persönlichen Weiterbildung eines Coachs angelegt ist.

Die Kriterien dieser “Auszeichnung” sind nicht nur vollkommen intransparent, sondern auch höchst zweifelhaft. Alle Verbände der Branche, die sich ja oft genug selbst nicht über alles einig sind, laufen Sturm.

Was soll das überhaupt sein, ein “TopCoach”?

Schon diese Frage, lässt sich eigentlich nicht beantworten. Besonders gut ausgebildet? Besonders erfahren? Besonders spezialisiert? Ein Experte auf einem bestimmten Gebiet? Lauter Fragen – keine Antworten.

Coaching setzt ein individuelles Vertrauensverhältnis zwischen den beiden Beteiligten voraus, eine gemeinsame “Wellenlänge”. Und nur weil ein anderer die hat, habe ich die noch lange nicht. Coaching setzt verschiedenste Techniken ein, so wie sie zum Klienten passen und der Coach sie beherrscht – dabei gilt oft: “Viele Wege führen nach Rom.” Gut ist alles, was meinem Klienten hilft und was das ist, entscheidet bitte er selbst und kein Dritter. Ein “TopCoach” für den einen ist also noch lange kein passender Partner für irgendeinen anderen.

Natürlich gibt es immer wieder die Diskussion, dass Coaching kein geschützter Begriff ist und sich jeder Coach nennen darf. Keine Frage, mehr Trennschärfe wäre wünschenswert. Eine solide (zertifizierte) Ausbildung, laufende Weiterbildung und/oder Supervision, eigene Lebens- und Berufserfahrung, das sind sicher einige Eigenschaften, die ein guter Coach haben sollte. Aber alles andere – who fits together? – entscheidet jeder Coachingnehmer für sich allein. Ein “Mehr” der genannten Eigenschaften muss nicht besser sein, das ist nur Schein…

Was also bleibt von diesem Siegel? Die Auszeichnung ist reines Marketing, an dem vor allem die Initiatoren der Aktion satt verdienen. Einen Beitrag zur geeigneten Auswahl eines Coachs liefert sie schlicht und einfach nicht.

Fazit: Dieses Siegel ist vollkommen überflüssig und irreführend.

Ich bin übrigens auch bei Xing-Coachs gelistet, weil das Medium grundsätzlich gut geeignet ist, sich selbst mit seinen Kompetenzen und Erfahrungen darzustellen. Und das muss dann auch reichen, der Rest liegt beim potentiellen Klienten, der für sich (und nur für sich!) den richtigen Coach finden muss. Da möge Xing sich doch bitte raushalten.

Die Coachingverbände geben mit Ihrem Positionspapier übrigens eine gute Hilfestellung, wie man einen geeigneten Coach findet. Das Positionspapier finden Sie hier: Profession Coach

Aus der Reihe Coachingerfahrungen – Nicht immer…

… sind es die großen Formate, die im Coaching den Durchbruch oder zumindest einen wesentlichen Fortschritt bringen.

Vor einiger Zeit hatte ich einen Coachingnehmer, der sichtlich unter Druck stand, er “musste” unbedingt etwas ändern: “Ich muss Sport treiben, ich muss abnehmen, ich muss entspannter werden, ich muss mehr Zeit haben für…”, usw.

So war er natürlich nicht arbeitsfähig und ich lud ihn ein, darüber nachzudenken, ob es eigentlich Spaß macht, wenn man etwas “muss”. Danach bat ich ihn seinen Satz mal so umzuformulieren, dass vielleicht ein höherer Anreiz zur Umsetzung dabei heraus kommt.

Mit wenigen Fragen und innerhalb weniger Minuten führte ich ihn zu folgendem Ergebnis:

ändern

Es dauerte keine halbe Stunde und die Gesichtszüge meines Klienten hatten sich sichtlich entspannt, ein Lächeln hatte den grimmigen gepressten Gesichtsausdruck ersetzt.  Mein Klient hatte erkannt, wie viel leichter es ist, wenn er die Veränderung als “Seins” annimmt – es ging plötzlich ganz leicht und er war voller Energie. Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten war wieder da und wir konnten uns wunderbar der Frage zuwenden: “Was änderst Du denn jetzt?”

Fazit: Es muss nicht immer die “Mega-Intervention” sein!

Live Mitschnitt Burn Out Vortrag

In den letzten Jahren habe ich mich als Coach besonders mit dem Thema Burn Out und seien verschiedenen Erscheinungsformen beschäftigt. Mehrfach habe ich zu diesem Thema auch Vorträge gehalten, die sich sowohl mit der Sicht des Betroffenen aber auch mit der grundsätzlichen Sicht aus dem Blickwinkel der Unternehmen beschäftigen.

Den Live-Mitschnitt aus einer meiner Kundenveranstaltungen finden Sie hier:

https://www.youtube.com/watch?v=wYlKUnNrIvE