Aktuelle Befragungsergebnisse

Die anhaltende Corona-Krise wirft immer mehr ein Schlaglicht auf die Frage, wie die Unternehmen mit ihr umgehen und welche langfristigen Veränderungen für das Arbeitsleben zu erwarten sind. In seiner aktuellen Dezemberausgabe geht managerseminare auf mehrere Studien ein, die interessante Einblicke geben.

So scheint „New Work“, bislang vielerorts eher ein Schlagwort, nach und nach immer mehr mit Inhalten gefüllt zu werden und auf dem besten Wege, das „New Normal“ zu werden. Jedenfalls legt dass eine Untersuchung der Beratungsgesellschaft Kienbaum nahe, die dafür 190 Führungskräfte befragt hat. 73% nannten die „New Ways of Working“ als besonders wichtig – klar Platz 1 der Untersuchung. Danach folgten die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle und die Forcierung der agilen Unternehmenstransformation mit jeweils 50%. Platz drei mit 38% nahm schließlich die Restrukturierung des Unternehmens ein.

Noch krasser fiel das Bild auf die Frage aus, ob auch vorstellbar sei, dass nach der Krise wieder alles wie vorher sein könnte. Nur 3% der Befragten glauben das. Ein Drittel der Befragten glaubt gar an den Beginn einer gänzlich neuen Ära des Arbeitslebens, was freilich ein hochgegriffener Begriff ist.

Interessant sind die durchaus dazu im Widerspruch stehenden Ergebnisse zur strategischen Nutzung von Weiterbildung, die HPpepper und der Weiterbildungsanbieter Bitkom Akademie in ihrer Studie vorlegen. Weniger als die Hälfte der 400 befragten Studienteilnehmer gaben nämlich an, dass ihr Unternehmen aktuell Weiterbildungsmaßnahmen einsetze, um die Mitarbeitenden zu befähigen, in Zukunft erfolgreicher mit Veränderungen umzugehen. Diese mangelnde Weiterbildungsinitiative vieler Unternehmen ist nicht neu, doch offenbar haben einige Unternehmen aus der Krise immer noch nicht die richtigen Schlüsse gezogen. Die Mitarbeiter selbst haben nämlich die Weiterbildungswünsche klar artikuliert und etwa ein Drittel der Befragten setzt auch bereits eigeninitiativ die eigene Fortentwicklung um, wobei 90% überwiegend auf kostenfreie Online-Seminare zurückgreifen. Dass die Unternehmen teilweise ihre Weiterbildungsbudgets trotz steigendem Bedarf in den letzten Monaten nicht erhöht haben, mag angesichts unklarer wirtschaftlicher Entwicklung zwar nachvollziehbar sein, könnte sich aber bald rächen.


Nachdem die Wechselbereitschaft der Arbeitnehmer zu Beginn der Pandemie noch stark zurückgegangen war, steigt diese nämlich aktuell wieder deutlich an. Das ist jedenfalls das Ergebnis des Corona HR-Monitors des Beratungsunternehmens Trendence. Suchten vor der Pandemie 20% der Akademiker aktiv nach einem neuen Job, so sank dieser  Wert im Frühjahr auf nur noch 7%. Inzwischen sind bereits wieder 13% der Befragten aktiv auf Jobsuche und auch die passive Wechselbereitschaft gut ausgebildeter Arbeitnehmer ist bereits wieder leicht von 40% auf 43% gestiegen.

Es überrascht niemanden, dass vorrangig die Leistungsträger wechselgefährdet sind, weshalb eine mangelnde Weiterbildungsbereitschaft der Unternehmen kontraproduktiv sein könnte. Das nämlich öffnet Tür und Tor für zusätzliche Abwerbungsargumente durch die Konkurrenz.

Wie so oft könnte auch in diesen Fragestellungen, den Führungskräften eine wichtige Rolle zukommen. Wie schon in zahlreichen früheren Befragungen überschätzen sich diese auch in einer aktuellen Studie des Softwareanbieters Cornerstone OnDemand, der dafür 500 Führungskräfte und 1000 Mitarbeitende befragt hat, deutlich.

90% der befragten Führungskräfte glauben, Sie könnten auch in Zukunft die Skills ihrer Mitarbeiter selbst entwickeln. 87% glauben zudem, dass ihre Organisation mit den dafür erforderlichen Lernressourcen bereits ausgestattet ist. Solche Ergebnisse, die zeigen, wie sehr die Führungskräfte von sich selbst überzeugt sind, haben wir schon in vielen Studien der letzten Jahre gesehen. In nahezu allen Studien, stellten die Mitarbeitenden ihren Führungskräften allerdings ein deutlich schlechteres Zeugnis aus. So auch diesmal.

Nur 60% der Mitarbeitenden gehen nämlich davon aus, dass ihr Unternehmen ihre Skills entwickeln kann. 40% fühlen sich durch die bereitgestellten Ressourcen nicht in der Lage, sich die erforderlichen Fähigkeiten anzueignen. Auch nicht neu ist, dass mangelnde Zeit für Weiterbildung beklagt wird, was in dieser Studie rund zwei Drittel der Befragten tun.

Einig ist man sich in der Einschätzung zumindest hinsichtlich der Weiterbildungsnotwendigkeit: 75% der Befragten glauben, dass die aktuelle Krise nicht nur Volatilität, Unsicherheit und neue Herausforderungen mit sich bringt, sondern auch die tägliche Arbeitserfahrung nachhaltig verändert.

Diese Veränderung dürfte für viele Führungskräfte besonders intensiv ausfallen, denn ohne Zweifel stellen der sichere Umgang mit digitalen Medien, Führung auf Distanz, die geänderten Erwartungen und Wertvorstellungen der Generation Z und die immer weiter fortschreitende Digitalisierung aller Arbeitsprozesse für einen erheblichen Anteil „altgedienter“ Führungskräfte große Herausforderungen dar. Es erscheint also sinnvoll, wenn sich die Führungskräfte nochmals kritisch hinterfragen, ob sie wirklich alle Skills ihrer Mitarbeitenden selbst entwickeln können oder ob sie nicht selbst in guter Vorbildfunktion an die Spitze der Weiterbildungsbereitschaft stehen sollten.

Ich glaube, dass aktuell keinesfalls bereits alle Facetten der nachhaltigen Veränderungen im Arbeitsleben absehbar sind. Vielmehr stehen wir erst am Anfang eines langen und dynamischen Veränderungsprozesses, der in seiner Vielfältigkeit noch etliche Überraschungen für uns alle bereithalten wird.

Es bleibt also spannend!

ZOOM-Fatigue – neue Zeiten, neue Krankheiten

Früher hetzten viele Führungskräfte von einem Meeting ins andere. Na ja, immerhin zwischen den Sitzungen gab es so ein wenig Bewegung könnte man sarkastisch sagen. Durch die Corona – Pandemie gibt es zwar viel weniger Meetings, aber offensichtlich nicht weniger gesundheitliche Probleme.

Das jedenfalls könnte man aus einer Studie des Instituts für Beschäftigung und Embloyability IBE herauslesen, die managerseminare in seiner aktuellen Dezemberausgabe zitiert. Demnach wurden 422 Führungskräfte befragt, von denen 60% angaben unter Zoom-Fatigue, frei übersetzt etwa Müdigkeit durch online-Meetings, zu leiden.

Zwar tritt diese Müdigkeit bei den meisten eher selten auf, aber immerhin bereits 15% nennen sie als permanenten Belastungsfaktor. Die aktuelle Entwicklung der Pandemie lässt befürchten, dass diese Zahl eher noch steigen wird, denn eine Rückkehr zur weitgehend online-freien Arbeit ist aktuell kaum zu denken.

Tritt Zoom-Fatigue auf, dann empfinden 64% der Befragten die daraus resultierenden Belastungen als stark oder sehr stark. Als Symptome zeigen sich etwa Konzentrationsprobleme, schnelle Ungeduld, schnelles genervt sein, Kopf- oder Rückenschmerzen und Sehstörungen.

Eine Ursache, warum online-Arbeiten als ermüdend empfunden wird, liegt sicher am fehlenden direkten zwischenmenschlichen Kontakt. So gaben 70% der Zoom-Müden an, dass ihnen die nonverbale Kommunikation fehlt. Die Hälfte beklagte außerdem das Fehlen von Small-Talk oder lockerem Netzwerken.

Es steht ausser Frage, dass uns der aktuelle Status noch lange – vielleicht sogar sehr lange – erhalten bleiben wird. Da lohnt natürlich der Blick auf die Verbesserungsmöglichkeiten: 75% der Befragten halten insbesondere eine Begrenzung der Zeit für online-Meetings für hilfreich.


Der Blick auf die weiteren Verbesserungsmöglichkeiten offenbart auch neue Anforderungen an Führungskräfte. So wird z.B. auch eine humorvolle Moderation als hilfreich empfunden. Dem ist bestimmt so, nur ist nicht jede Führungskraft humorvoll und viele Führungskräfte definieren Humor auch nicht als Bestandteil ihres Werkzeugkastens oder gar Ihrer Rolle. Führung befindet sich also einmal mehr im Wandel, neue Skills und neue Typen sind gefragt.

So sehr wir alle in den letzten Monaten das virtuelle Arbeiten als hilfreich empfunden und viele Vorteile (eigesparte Reisezeiten und -kosten etwa) erlebt haben, glorifizieren sollte man es nicht. Die vorliegende Studie zeigt deutlich, dass es auch neue Risiken gibt. Im Wandel zur online arbeitenden Gesellschaft stehen wir erst am Anfang.

Der MP Impuls zum Wochenende

Als die Familienrichterin die Ehe meines Klienten nach 5 Jahren für geschieden erklärte, hatte ich die Hoffnung, dass diese Verkündung wie eine Befreiung auf ihn wirken würde. Meine Hoffnung, dass er fortan den Kopf für Neues frei haben würde, erfüllte sich nicht.

Ihn bewegten viele Fragen und er könnte sich gedanklich nicht lösen. Die ersten Jahre seiner Ehe schilderte er mir als sehr glücklich. Er hatte mit Ende 40 spät geheiratet, Kinder waren aus seiner Ehe nicht hervorgegangen. Sie waren gemeinsam aufs Land gezogen und er hatte lange Arbeitswege auf sich genommen und war täglich gependelt. Die ersten Jahre waren harmonisch und er entdeckte neue Seiten an sich, entdeckte die Natur und schien anzukommen.

Ich hatte mit diesem Mandat im Grunde längst abgeschlossen, doch irgendwann rief mich mein Kunde an, weil seine Frau einen anderen kennengelernt habe. Details spielen hier keine Rolle. Es kam zur Trennung und schließlich zur Scheidung, wobei seine Frau in ihrem Leben damit zum zweiten Mal ziemlich exakt den gleichen Ablauf durchlebte, denn einige Jahre zuvor war mein Klient „der Neue“ gewesen.

Fälle dieser Art erleben wir bei einer Scheidungsquote von um die 50% natürlich häufig und die Scheidung ist auch nur ein Beispiel für ein Lebensereignis, das uns vor Herausforderungen stellt. Wir können Ereignisse dieser Art in unserem Leben nicht verhindern, aber wir können lernen mit Ihnen umzugehen.

Ich versuchte meinem Klienten zu helfen, einen Abschluss zu finden, sich wieder auf sich selbst zu besinnen und herauszufinden, was er jetzt braucht. Es fiel ihm sehr schwer. Unbedingt wollte er verstehen, warum alles so gekommen war. Er wollte verstehen, was seine Frau bewegt hatte, so zu handeln und ihn zu verlassen. Er war zutiefst verletzt, keine Frage.

„Ich weiß, ich muss mich um mich kümmern“, sagte er am Ende einer Cochingsitzung und ich bat ihn zu beschreiben, was das konkret bedeutet. Das konnte er gut und ich war voller Hoffnung, dass er nach dem Umzug zurück in seine Heimatstadt wieder in seinem alten Leben Fuß fassen würde. Als ich ihn einige Wochen später wiedersah, war leider das Gegenteil der Fall. Er hatte seine Schwiegereltern besucht, sich mit Bekannten am alten Wohnort getroffen und ähnliches. „Was hast Du Neues unternommen?“, fragte ich ihn, bekam aber keine Antwort.

Wenn es uns nicht gelingt, abzuschließen, ist es schwer etwas Neues zu beginnen. Wir müssen akzeptieren, dass es manchmal Dinge gibt, die wir nicht verstehen können. Dabei ist der Wunsch, die Dinge verstehen zu wollen, weil es dann einfacher ist, sie zu akzeptieren, völlig verständlich. Aber es ist nicht immer möglich – manche Dinge werden wir nicht verstehen können. Wir müssen sie trotzdem akzeptieren. Erst wenn wir ein Kapitel in unserem Leben abschließen, sind wir offen für ein neues, welches wir voller Elan aufschlagen können. Einen Abschluss zu finden ist nicht immer leicht, aber sehr wichtig. Es macht keinen Sinn, immer weiter zu hoffen und zu warten, ob wir die Dinge irgendwann verstehen können. Manchmal ist es notwendig zu akzeptieren, dass sie für uns nicht zu verstehen sind. Ansonsten verharren wir, fühlen uns schlecht und die Zeit arbeitet gnadenlos gegen uns. Damit ist nichts gewonnen.

Mein Klient arbeitet noch an diesem Abschluss und dem neuen Blick nach vorn. Er macht gute Fortschritte und ich bin sicher, er wird bald offen sein, ein neues Lebenskapitel zu eröffnen. „Du hast Recht, ich muss abschließen“, sagte er vor kurzem zu mir. Wir sprachen über Rituale, die ihm helfen könnten. Vielleicht ein Buch, in dass er seine Gedanken schreiben kann, um es dann ganz bewusst zuzuschlagen und ins Regal zu stellen. Im Regal unseres Lebens stehen viele Bücher, die wir einmal geschrieben oder in denen wir gelesen haben. Manche holen wir irgendwann vielleicht wieder hervor, andere bleiben für immer dort stehen. Sie sind wertvoll, aber sie bleiben geschlossen.

Auch andere Möglichkeiten wogen wir ab – mal sehen für welche er sich entscheidet.

Jetzt zu Ihnen: Welches Kapitel Ihres Lebens möchten Sie abschließen? Woran halten Sie schon viel zu lange fest, obwohl es Sie nur noch belastet? Was versuchen Sie zu verstehen und zerbrechen sich schon lange den Kopf, ohne dass Ihnen das Verstehen gelingt?

Welches Buch gehört geschlossen und ins Regal Ihres Lebens gestellt?

Finden Sie einen Abschluss, auch wenn Sie nicht alles verstehen können, nur so sind Sie wirklich bereit für neue spannende Erlebnisse und Erfahrungen. Bereit, diese mit allen Sinnen zu erleben und zu genießen.

Denken Sie daran:

Heute ist immer der Tag, an dem Zukunft beginnt.
Und nur die Zukunft können Sie gestalten, die Vergangenheit ist vorbei.

Viel Spaß dabei und ein schönes Wochenende!

Der MP Impuls zum Wochenende

„Und dann machen wir eine große Veranstaltung mit allen Führungskräften bis Ebene drei und hauen das Programm raus!“, strahlte der neu gekürte Leiter eines internen Bereiches eines Dax-Konzerns, der sich mit der neuen Strategie beschäftigte.

„OK, und wie sieht es mit den Inhalten des neuen Programms aus?“, fragte eine langjährige, ranghohe Führungskraft, bisher Leiter eines Teilprojektes, das jetzt im neuen Gesamtprojekt aufgehen sollte.

Vielleicht ahnen Sie die Antwort schon, denn Inhalte gab es noch nicht. Und Inhalte würde es auch bis zur Veranstaltung so gut wie keine geben, denn diese war schon in wenigen Wochen geplant. Es gab nur Überschriften, bunte Bilder und viel gute Absicht – Inhalte Fehlanzeige.

Die Veranstaltung fand trotz aller kritischer Hinweise interner und externer Berater statt. Geschäftsleiter verkündeten Wunschvorstellungen und sehr hohe Erwartungen an ihre Führungskräfte. Allen voran formulierten sie die – völlig berechtigte – Erwartungshaltung, dass jeder in seinem Bereich die Mitarbeiter nicht nur mitnehmen, sondern auch begeistern müsse.

Wie häufig in solchen Veranstaltungen gab es zum Abschluss eine Fragerunde. Aber in einem großen Saal mit mehr als 150 Personen jetzt aufstehen und kritisch nach dem „Wie“ fragen? Also, keine Fragen! Großartig, Musik, Fingerfood, Partystimmung!

Leider ist das immer noch ein häufig anzutreffender Modus in vielen Unternehmen. Wir sollten eigentlich inzwischen gelernt haben, dass uns dieser Modus bislang selten erfolgreich gemacht hat. Keine Orientierung für die Mitarbeiter, viele Fragen an die Führungskräfte, wenn sie in ihre Verantwortungsbereiche zurückkehren, aber keine Antworten. Hohe Erwartungen, keine Unterstützung – unglaubliches Frustpotential sowohl für die Führungskräfte als auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aufbruchstimmung, allgemeines Anpacken, gemeinschaftlicher Wille zum Erfolg – Fehlanzeige.

Höher, schneller, weiter – das mag nach wie vor das olympische Motto sein, im Wirtschaftsleben funktioniert das nicht mehr. Vielmehr laufen in diesem Modus immer mehr Menschen auf die Sinnkrise zu, denn sie verstehen die Veränderungen, die in immer kürzeren Zyklen auf sie einprasseln nicht mehr. Change um des Change willen – ein Auslaufmodell?

Leider nicht bin ich geneigt zu sagen, mit fatalen Folgen für die Motivation und Loyalität der Mitarbeiter.

Beim allgemeinen Umtrunk suchte ich dann einen jungen Leiter, den ich im letzten Jahr in einem Projektmeeting kennenglernt hatte, fand ihn aber nicht.

„Der hat uns leider verlassen“, erzählte mir stattdessen ein langjähriger Kollege, den ich ebenfalls kannte. „Hat das Hin und Her nicht mehr ausgehalten und sich ein einen neuen Job gesucht.“

„Schade, der war ein sehr guter Kollege“, entgegnete ich, „gut dass Du noch da bist!“ Mein Gesprächspartner lachte leise und sagte: „Ach weißt Du, ich bin schon so lange hier, ich kenne das inzwischen. Jetzt laufen wir wieder ein paar Monate in die neue Richtung, dann kommt wieder die Kehrtwende. Alles war schon einmal da. Ich sitze das aus.“

Diese zwei Reaktionen von Mitarbeitenden sind typisch. Die einen gehen in sich und stellen sich die Frage, was sie wirklich wollen. Sie fragen sich dabei meist auch, wie sie arbeiten wollen und suchen sich dann gezielt einen neuen, passenden Arbeitgeber. Leider verlieren die Unternehmen dabei häufig besonders gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was sehr schade ist. Die anderen bleiben an Bord und schalten in den Grippemodus, wie ich das nenne: Es dauert mit Arzt zwei Wochen und ohne 14 Tage. Sicher ist, es geht vorbei. Ein besonders hohes Leistungsniveau erreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Motivationsstadium freilich nicht.

Jetzt könnte ich auf die Frage eingehen, was Unternehmen heute tun können, um die o.g. Auswirkungen zu verhindern. Das reizt mich zwar sehr, aber dies soll ja ein Reflexionsimpuls sein, mit dem Sie als Leser etwas für sich ganz persönlich anfangen können. Deshalb möchte ich für heute lieber den Blick auf Sie persönlich richten.

Wie erleben Sie Ihr Unternehmen? Klarheit in der Strategie, Ausdauer in der Umsetzung? Hilfestellung und gute Argumente? Eine nachhaltige Vision, für die Sie gerne und mit voller Kraft einstehen wollen?

Wie ist Ihre konkrete Situation?  Sind Sie orientiert und Sinn erfüllt in Ihrer Tätigkeit? Gehen Sie mit Freude zur Arbeit? Oder sind Sie auch schon im „Grippemodus“ eigefahren, vielleicht, ohne dass Sie diesen überhaupt noch bewusst wahrnehmen?

Entfalten Sie noch jeden Tag Ihr volles Engagement und machen das Beste aus Ihren Möglichkeiten? Oder lesen Sie doch häufiger die Stellenanzeigen der online-Portale und sind innerlich schon auf dem Absprung, nur der letzte entscheidende Impuls fehlt Ihnen noch?

Wie auch immer, Sie können die Vorgehensweise der Unternehmen wahrscheinlich ebenso wenig beeinflussen, wie ich das kann. Was Sie aber können, ist für Sich zu überlegen, wo Sie aktuell stehen, ob Sie zufrieden sind und ob Sie das Beste aus Ihren Möglichkeiten machen?

Darüber nachzudenken ist immer gut, wichtig und richtig. Zufriedenheit im Beruf strahlt auch auf alle anderen Lebensbereiche aus. Unzufriedenheit, auch wenn sie nur unbewusst vorhanden ist, leider auch.

Ein schönes Wochenende!

Der MP Impuls zum Wochenende

Wenn am Wochenende um 6 Uhr morgens eine Whatsapp eines Coachingnehmers bei mir eingeht, ist das selten ein gutes Zeichen. So war es auch diesmal.

Wir kennen uns schon viele Jahre, immer wieder habe ich ihn bei wichtigen Entscheidungen ein Stück begleitet, inzwischen arbeiten wir viele Jahre zusammen. Das Vertrauensverhältnis ist groß. Die Botschaft war entsprechend kurz, er konnte darauf vertrauen, dass ich verstand: “Sorry, wenn Du wach bist, bitte ruf mich an.” Das tat ich.

Er war emotional sehr angegriffen, seine Stimme bebte am Telefon. Schon länger kämpfte er damit, dass ein guter Freund, den er mehr als sein halbes Leben lang kannte, sich sehr verändert hatte. Er war inzwischen bereits mehrfach von ihm enttäuscht worden und das Verhältnis war abgekühlt. Jetzt bot dieser Freund auch noch seinem Sohn eine Immobilie zum Kauf an, wobei der Freund gleich nebenan wohnte. Die Immobilie lag “irgendwo im Nirgendwo” und war aus Sicht meines Klienten viel zu teuer. Leider hatten weder sein Freund noch sein Sohn ihm irgendetwas davon erzählt. Er erfuhr es nur nebenbei. Jetzt war er natürlich auch von seinem Sohn enttäuscht.

Ich brauchte ein paar Minuten, ihn zu beruhigen, bevor wir mit dem Sortieren der Themen beginnen konnten. Mein Klient hatte wirtschaftliche Angst um sein Kind, weil die Immobilie überteuert und alt war. Er hatte aber auch Angst, dass sein Sohn und sein Freund sich gegen ihn verbünden könnten und sein Freund, der sich schon weit von ihm entfremdet hatte, sein Kind gegen ihn aufbringen könnte. Schließlich arbeiten Vater und Sohn auch noch zusammen in der eigenen Firma und er hatte zusätzlich die Sorge, dass die Zusammenarbeit zerbrechen und die Firma Schaden nehmen könnte. Uns letztlich war er vor allem menschlich zutiefst verletzt. Guter Rat war teuer.

Solch komplexe Situationen liegen zwar nicht sehr häufig vor, sind in der Praxis aber auch keine Seltenheit. Im Falle meines Klienten überlagerten sich systemisch zunächst das Arbeits- und das Familiensystem, was allein schon oft genug konfliktbeladen ist. Nun kam aber auch noch eine tiefe persönliche Enttäuschung und Betroffenheit hinzu und dies gleich doppelt: Er war verletzt und das sowohl mit Blick auf seinen Freund als auch seinen Sohn. Verständlicher Weise waren viele Gefühle im Spiel. Auch sein beschützender väterlicher Anteil war alarmiert, er wollte sein Kind vor Schaden bewahren. Und schließlich kamen eigene wirtschaftliche Sorgen hinzu, denn für ihn war gegebenenfalls auch die wirtschaftliche Basis seines Unternehmens in Gefahr.

Eine derart komplexe Situation überfordert fast jeden und führt nur allzu oft zur absoluten Handlungsunfähigkeit. Zu viele Themen gleichzeitig, zu viele negative Gefühle und kein klarer Blick mehr. In einer derartigen Situation ist die Gefahr von Überreaktionen und Fehlentscheidungen besonders groß. Vorschnelle Handlungen und Entscheidungen müssen vermieden werden.

Mit meinem Klienten zerlegte ich dann auch erstmal das Paket in seine Einzelteile. Er brauchte zunächst vor allem Anerkennung für die eigene menschliche Enttäuschung. Danach war schnell klar, dass es vor allem die väterliche Sorge um sein Kind, das er vor Schaden bewahren wollte, war, die jetzt bearbeitet werden musste. Da er selbst aktuell keinen guten Zugang zu seinem Sohn hatte, fanden wir einen alternativen Gesprächspartner. Das war für ihn eine gute Lösung. Die anderen Aspekte hatten danach keine Energie mehr und mussten also an diesem frühen Morgen nicht bearbeitet werden.

Die emotionale Überlastungssituation und akute Handlungsunfähigkeit waren zunächst einmal aufgelöst. Damit war ihm in diesem Moment sehr geholfen.

Wie geht es Ihnen gerade? Vielleicht haben auch Sie emotionale und rationale Themen, die sich gerade überlagern? Vielleicht hat auch Sie gerade jemand sehr enttäuscht? Oder die Pandemie macht Ihnen Sorgen wirtschaftlicher Art?

Manchmal ist es für uns alle “einfach zu viel”. Dann ist es wichtig, die Themen zunächst auseinanderzunehmen und gut zu überlegen, was ich selbst jetzt unbedingt brauche. Mein Klient brauchte zunächst Anerkennung für die eigene menschliche Enttäuschung – Sie erinnern sich. Erst wenn ich selbst wieder gestärkt, anerkannt und wahrgenommen bin, ist der Blick wieder frei für die sinnvollen nächsten Schritte. Die Komplexität löst sich auf, die Handlungsfähigkeit kehrt zurück.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie sich selbst stets gut wahrnehmen und anerkennen können und natürlich ein schönes Wochenende!

In Kürze erhältlich

Mein neues Buch geht auf die Zielgerade!

Das Knallrote Cabrio” hat die Werkstatt soeben verlassen und muss jetzt noch zum TÜV. In Kürze ist es dann erhältlich und ich freue mich schon sehr!

Suchen Sie Denkanstöße und Impulse in dieser schwierigen Zeit?
Dann steigen Sie ein ins knallrote Cabrio!

Hier vorab schon mal der Klappentext:

BoD, Books on Demand, Norderstedt, 2020

ISBN 978375260233

Bezugsinfos folgen unmittelbar nach Erhalt der TÜV-Plakette!

DANKESCHÖN…

wollte ich meinem “Lieblingsbürgermeister” unbedingt nochmal persönlich sagen, bevor er sich zum Jahresende in den (Un-) Ruhestand verabschiedet. Leider macht Corona auch für ihn nach fast 20 Jahren im Amt eine offizielle größere Verabschiedung, zu der ich sehr gerne gefahren wäre, unmöglich.

11 Jahre haben Harald Stehnken und ich nun zusammengearbeitet und in der Gemeinde Schwanewede einiges vorangebracht. So ist unter anderem ein Leitbild entstanden, der Doppelhaushalt eingeführt worden und der Dialog zwischen Politik und Verwaltung auf ganz neue, vertrauensvolle Beine gestellt worden. In all den Jahren ist zwischen uns ein großartiges Vertrauensverhältnis gewachsen und ich war als Berater stets “gesetzt”. Ein größeres Kompliment kann man wohl nicht bekommen.

So war es natürlich Ehrensache, dass ich ihn gestern noch einmal zu einem coronagerechten Abschied in seinem Dienstzimmer im Rathaus besucht habe. Wie immer war es ein sehr schönes Gespräch und gelacht haben wir auch viel. So macht Zusammenarbeit für beide Seiten Spaß!

DANKESCHÖN und alles Gute für die Zukunft wünsche ich im (Un-) Ruhestand! Ich habe mich gefreut zu hören, dass auch für die Zeit nach dem Amt schon einiges auf dem Zettel steht.

Alles Gute und einen Kaffee im schönen Schwanewede werde ich mit ihm auch nach seiner aktiven Zeit gerne trinken – eine so lange Zusammenarbeit verbindet.