Der MP Impuls zum Wochenende

Wie in jedem Jahr spielten die 16 besten Snookerspieler der Welt auch in diesem Jahr den Sieger des „Masters“ aus. Das Turnier, an dem die ersten 16 der Weltrangliste teilnehmen, wurde aufgrund der Pandemie wie aktuell alle Wettkämpfe in der extra hergerichteten Arena in Milton Keynes in England gespielt.

Falls Sie Snooker nicht kennen, das ist eine Form des Billiard, die sich durch einige Besonderheiten auszeichnet und auf einem sehr großen Tisch gespielt wird. Snooker-Spiele dauern oft mehrere Stunden oder im Falle der Weltmeisterschaft gar Tage und erfordern sehr viel Konzentration und Präzision. Der Sport zeichnet sich außerdem durch eine Etikette besonderer Fairness aus, da es üblich ist, dass die Spieler ihre Fouls meist selbst dem Schiedsrichter ansagen. Snooker wird daher auch der Sport der Gentleman genannt, obwohl Snooker auch von Frauen gespielt wird, die allerdings in der professionellen Weltspitze bisher nicht zu finden sind.

Am Tisch des Masters 2021 stand bis ins Finale, dass er in einem sehr spannenden Match mit 10:8 gegen den erst 20jährigen Debütanten Yan Bingtao aus China verlor, auch John Higgins. Der 1975 geborene Schotte hat in seiner Karriere im Snooker alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Der „Wizard of Wishaw“, so sein Wettkampfname, war viermal Weltmeister und hat in seiner Karriere bisher ca. 8,5 Millionen britische Pfund an Preisgeldern eingespielt. Higgins gehört zu den Superstars dieser Sportart. 2021 stand er zum 27. Mal in Folge im Teilnehmerfeld des Masters. Sie lesen richtig, seit 27 Jahren gehört Higgins ohne Unterbrechung zu den besten 16 Snookerspielern der Welt! Nur damit wir das nochmal gemeinsam einordnen können: Der heute 45jährige stand also mit 18 Jahren erstmals unter den TOP16 der Welt und seitdem ohne Unterbrechung. Aktuell ist er die Nummer 6 der Weltrangliste.

Eine so lange und unterbrochene Präsenz in der Weltspitze ist absolut außergewöhnlich und beeindruckend. Und falls Sie jetzt vielleicht denken, na ja, das ist ja nur Billiard, dann lade ich Sie ein, sich einmal an Ihre eigenen Begegnungen mit Billiard zu erinnern. Fast jeder dürfe schon einmal Pool-Billiard in der ein oder anderen Gaststätte gespielt haben. Die dort meist vorzufindenden Tische haben eine Länge von acht Fuß, also 2,24 Metern. Erinnern Sie sich, wie weit Ihnen das vorgekommen ist, wenn sie mit dem Spielball die gesamte Tischlänge spielen mussten? Wie hoch war Ihre Fehlerquote? Nur zum Vergleich: Snooker wird auf Tischen mit 12 Fuß Länge gespielt, also 3,57 Meter! Die Kugeln sind außerdem kleiner, als die, die wir in der Kneipe spielen. Die zu treffenden Taschen sind gerade einmal 9cm breit und abgerundet, um es noch etwas anspruchsvoller zu machen. Es handelt sich also um eine Präzisionssportart, bei der wenige Millimeterentscheiden. Erfolgreich Snooker zu spielen, erfordert also sowohl körperlich als auch geistig absolute Frische.

Die Leistung von John Higgins wir umso beeindruckender, wenn wir uns einmal überlegen, wie viele Stunden er wohl am Trainingstisch zugebracht haben dürfte? Ich vermag das nicht abzuschätzen. Am Trainingstisch dürfe er oft allein gewesen sein, denn viele Bewegungsabläufe müssen tausende Male ausgeführt und automatisiert werden, wer sollte dabei immer Gesellschaft leisten? Was für eine Leistung an Disziplin.

Wie viele technische Neuerungen wie bessere Tischtücher, neue Bälle, neue Queues oder bessere Heiztechnik des Tisches wird er mitgemacht haben? Auch hier nur zum Vergleich: Das erste iphone kam 2007, also vor „nur“ 14 Jahren auf den Markt und was ist seitdem alles geschehen? Warum sollte im Snooker keine vergleichbare Entwicklung stattgefunden haben? Immer aktuell zu bleiben, auf dem neusten Stand – Flexibilität pur.

Higgins hat alles gewonnen und finanziell wohl ausgesorgt. Woher nimmt er die Motivation immer weiter zu machen? Was treibt ihn an, was sind seine Ziele? Ich weiß das nicht, denn ich hatte leider noch nie die Gelegenheit, John Higgins persönlich kennenzulernen, was mich reizen würde. Viele Spitzensportler kämpfen mit Motivationsproblemen und manche beenden heute deshalb sehr früh ihre Karriere. Ihnen fallen bestimmt aktuelle Beispiele, z.B. aus dem Wintersport ein. Auch von John Higgins sind mentale Tiefs bekannt, die er allerdings überwunden hat. Das ist auch nur menschlich. Eines jedenfalls dürfte klar sein: Niemand kann John Higgins noch extern motivieren, kein Geld, kein Pokal, keine Rangliste – er hat alles erreicht. Seine Motivation kann nur von innen kommen – er will es sich und allen anderen beweisen, dass er immer noch zu den Besten gehört und er hat Spaß dabei. Was für eine Leistung der Selbstmotivation.


Wie viele junge Kontrahenten werden im Laufe der Zeit wohl voll motiviert an den Tisch getreten sein und sich vorgenommen haben, gerade die Ikone aus Schottland zu besiegen? Wenn man bedenkt, dass Snooker insbesondere in China sehr populär ist, dann kann man ermessen, dass es viele gewesen sein werden. Immer wieder gegen neue top motivierte Gegner anzutreten, immer dagegenzuhalten, sich immer der Herausforderung zu stellen – was für ein Durchhaltevermögen.

Wie viele Fehler wird Higgins in seinem Leben gemacht haben? Wie viele davon werden sogenannte „leichte“ bzw. vermeidbare Fehler gewesen sein? Es müssen zehntausende sein und ganz offenbar waren sie alle bis heute ein Ansporn für ihn, immer noch besser zu werden. Was für eine Frustrationstoleranz muss der Schotte haben.

Wie viele Niederlagen wird Higgins erlitten haben? Wie viele davon waren bedeutende in großen Turnieren, wie viele kosteten in Titel? Ich erinnere allein drei Niederlagen im WM-Finale innerhalb der letzten vier Jahre. Wie viel Geld werden ihn seine Niederlagen gekostet haben? Kaum zu ermessen. Bis heute jedenfalls gilt für ihn, er ist immer einmal mehr aufgestanden, als er hingefallen ist. Sehr beeindruckend.

Was für eine Berufseinstellung und Professionalität insgesamt!

Ich höre an dieser Stelle auf, obwohl man sicher weitere Eigenschaften dieses überragenden Sportlers herausarbeiten könnte. Wenn Sie Lust haben, können Sie selbst nach weiteren Eigenschaften suchen.

Disziplin, Flexibilität, die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren, Frustrationstoleranz, Durchhaltevermögen, das Akzeptieren von Fehlern und Niederlagen als Teil der Normalität und als Ansporn, immer besser werden zu wollen sowie eine hohe Professionalität haben wir jetzt in wenigen Minuten herausgearbeitet. Alles Eigenschaften, die uns in jedem Beruf und ganz besonders als Unternehmer erfolgreich machen können. Nur haben nicht alle Menschen diese Eigenschaften, schon gar nicht in Kombination.

Sie können jetzt selbst überlegen: Machen Sie doch mal eine Skala von 1-10, wobei 1 für „ein wenig“ und 10 für „vollkommen“ steht. Dann schauen Sie in den Spiegel und tragen nur für sich ganz ehrlich Ihre Selbsteinschätzung zu den einzelnen Punkten in Form von unterschiedlich farbigen Kreuzen auf dieser Skala ein. Jetzt liegen Ihre Potentiale offen vor Ihnen auf dem Tisch und Sie können daran arbeiten, ohne dass irgendjemand von Ihnen erwartet, dass Sie in einem dieser Punkte perfekt werden müssen.

Viel Spaß beim Zusammentragen Ihrer Eigenschaften und Fähigkeiten und dabei, diese stetig zu verbessern!

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

Wechselbereitschaft steigt

Eine steigende Wechselbereitschaft der Führungskräfte geht aus dem aktuellen Hernstein Managementreport hervor, für den 1500 Führungskräfte in Deutschland und Österreich befragt wurden.

44% der Befragten können sich eine berufliche Neuorientierung gut vorstellen, nur 28% der Befragten schließen das aktuell aus. Je jünger und unerfahrener eine Führungskraft ist, desto eher hadert sie mit der aktuellen Stelle. Junge Führungskräfte sind also für die Unternehmen besonders abwanderungsgefährdet.


Untersucht wurde auch, was die Führungskräfte hemmt, ihren Job zu wechseln. Eher überraschend fürchten die meisten Einkommensverluste hinnehmen zu müssen und haben auch Angst vor Enttäuschung. Man könnte schließlich auch gar keine neue Stelle finden oder aber auch in der neuen stelle nicht zufrieden sein. Da kann ich mir die Anmerkung nicht verkneifen, mir dieser Grundeinstellung wird’s schwer, liebe Führungskräfte. Übrigens nicht nur bei Jobsuche.

Für mich persönlich fällt auch die „Investitionsbereitschaft“ der Führungskräfte sehr niedrig aus: Nur 25% der Befragten wären für ihren Traumjob bereit, in ihre Aus- und Weiterbildung zu investieren. Gar nur 12% würden auch einen Ortwechsel in Kauf nehmen.

Es wird viel über den Wertewandel junger Generationen, insb. der Generation Z diskutiert, die nicht mehr bereit ist, dem beruflichen Fortkommen alles andere unterzuordnen. Für die Unternehmen werden die ersten sehr konkreten Auswirkungen dieses Wertewandels genau in solchen Zahlen sichtbar.

(die Ergebnisse wurden publiziert in managerseminare 1/2021)

Blitzlicht: Toxisches Führungsverhalten immer noch verbreitet

Toxisches Führungsverhalten, das finde ich schon als Begriff spannend. Was soll das sein?  Taucht man an dieser Selle etwas tiefer ein, dann ist damit ein Führungsverhalten gemeint, bei dem Führungskräfte u.a. mit kränkenden Bemerkungen unterwegs sind. Sie maßregeln ihre Mitarbeiter und betonen deren Fehler und Schwächen. Da wird schnell klar, dass man so heute nicht mehr erfolgreich führen kann. Aber git es ein solches Führungsverhalten überhaupt noch?

Offenbar ist es sogar weit verbreitet, wie eine Stude der Uni Bielefeld und der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin sowie der Uni Trier belegt. Für ihre Untersuchung werteten die Forscher die Arbeitgeberbewertungsplattform kununu aus und stellten in 85% der Unternehmen toxisches Führungsverhalten fest. In 21% der Unternehmen stellten sie sogar ein ausgesprochen toxisches Führungsklima fest, so dass nicht mehr von Einzelfällen einzelner Führungskräfte gesprochen werden kann.

Toxisches Führungsverhalten führt – wenig verwunderlich – zu statistisch signifikant schlechteren Arbeitgeberbewertungen. Mindestens genauso scher wiegen allerdings das schlechtere Arbeitsklima und die daraus resultierende geringere Performance der Mitarbeiter. Mehr denn je liegt es also im Interesse der Unternehmen selbst, ihre Führungskräfte sorgfältig auszuwählen, zu schulen und auftretenden Tendenzen eines toxischen Führungsverhaltens konsequent und entschlossen entgegenzutreten.

(die Ergebnisse wurden publiziert in managerseminare 1/2021)

Der MP Impuls zum Wochenende

„Langsam fällt mir wirklich die Decke auf den Kopf!“

„Wenn wir wenigstens mal wieder … könnten.“

„Es nervt einfach nur noch.“

Ist das auch die aktuelle Tonlage, wenn Sie mit Ihren Freunden und Bekannten sprechen? Es ist keine Frage, der neue Lockdown beginnt für uns alle mehr und mehr eine echte Belastungsprobe zu werden. Das gilt vor allem und in erster Linie für die betroffenen Unternehmen, die von Einschränkungen oder gar Schließungen betroffen sind. Doch das ist nur die eine Seite. In meinen Coachings gewinnt auch die private Seite zunehmend an Bedeutung.

Es ist diese dunkle und kalte Jahreszeit, die viele Menschen als schwierig empfinden. Diese Jahreszeit, in der besonders viele Kraft aus den Kontakten zu Freunden und Bekannten, aus Ihren Hobbies und den damit zusammenhängenden Begegnungen schöpfen. All das geht im Moment leider nicht.

Keine Fitnessstudios oder Schwimmbäder um sich fit zu halten, kein Breitensport, keine Kinos, keine Konzerte, ja aktuell nicht einmal mehr der Skatabend im Freundeskreis. Immer mehr Menschen thematisieren auch in meinen Gesprächen diese Einschränkungen und erleben sie als harte Belastungsprobe. Wohlgemerkt als Belastungsprobe zusätzlich zu allen beruflichen Einschränkungen oder den Kindern im Home-Schooling.

Dazu kommen die täglichen Meldungen, die die Unsicherheit weiter schüren. Immer neue Virusmutationen, konstant hohe Infektions- und Todeszahlen. „Ich habe es lange nicht wirklich als bedrohlich empfunden, das ist inzwischen anders.“, sagte erst vor ein paar Tagen einer meiner Klienten zu mir. Silberstreifen am Horizont sind vorhanden, aber die Zeitschienen sind unklar und für viele Menschen reicht das daher nicht als „Stimmungsaufheller“.

Soweit, so schlecht, können wir es ändern? Nein, können wir nicht! Wahrscheinlich geht es Ihnen wie mir, wir müssen abwarten, bis sich die Gesamtlage verbessert und daran arbeiten tausende Menschen. Doch wir alle können in unserem Umfeld auch einen Beitrag leisten,  dass sich die Stimmung verbessert. Und das ganz schnell.

Ich habe absolutes Verständnis, für jeden, der seine Hobbies, seine Freunde und Bekannte, seine Freizeitgestaltung und sein „normales“ Leben vermisst. Und mit diesem Impuls will ich mal im privaten Bereich bleiben. Doch was wir nicht ändern können, müssen wir akzeptieren, jammern hilft nicht. Voran bringen uns nur die Fragen, die sich mit unseren Gestaltungsmöglichkeiten in der aktuellen Lage beschäftigen. Was können wir bei den gegebenen Rahmenbedingungen tun?

Es wird also Zeit für eine andere Denkweise – blicken Sie bitte auf die Chancen, die sich Ihnen bieten.

„So viel Zeit hatte ich noch nie, endlich hetze ich nicht mehr von Termin zu Termin.“ Mein Freund hat begonnen zu malen – hätte ich nicht erwartet, aber er geht gerade darin auf. Er hat die viele Zeit genutzt, Neues auszuprobieren und Spaß an einem neuen Hobbie gefunden.

„Ich habe endlich mal wieder meine Freundin angerufen und wir haben gleich zwei Stunden gequatscht – herrlich!“ So viele Kontakte warten oft darauf, mal wieder gepflegt zu werden. Für wen hatten Sie immer zu wenig oder gar keine Zeit? Wer hat sich plötzlich mal wieder bei Ihnen gemeldet? Welche Kontakte können bzw. wollen Sie reaktivieren?

„Ich habe die Zeit genutzt und unterstütze jetzt einmal die Woche eine Hilfsorganisation.“ Meine Klientin fühlt sich dabei sehr gut, wertgeschätzt und gebraucht.

Mein Freund ist eigentlich Pianist, plötzlich spielt er auch Tuba. „Ach weißt Du, man ist nie zu alt, etwas Neues auszuprobieren!“ Ich konnte mir ein Lächeln nicht verheben – recht hat er.

Die alles sind Beispiele von Menschen, die mit den gleichen Rahmenbedingungen kämpfen, aber den Blick auf das gerichtet haben, was möglich ist. Sie hadern nicht mit den Dingen, die gerade nicht gehen, sondern richten den Blick auf das, was gerade möglich ist. Wer auf seine Möglichkeiten im Blick hat, kann neue Fähigkeiten entwickeln und neue Chancen erkennen, die bisher vielleicht für ihn unsichtbar waren. Damit geht es den meisten Menschen gleich viel besser.

Und noch ein Gedanke, den ich Ihnen für die aktuelle Zeit ans Herz legen möchte: Was fehlt Ihnen eigentlich gerade nicht? Was haben Sie nur noch aus Routine getan und jetzt, da es nicht möglich ist, fehlt Ihnen das auch nicht? Vielleicht ist dies ja auch die Zeit zum Aufhören, dann haben Sie auch Zeit für Neues. Die Pandemie wird nicht ewig dauern und unsere Zeit wird wieder knapper werden. Um Neues zu beginnen, muss man manchmal auch mit etwas aufhören. Jetzt könnte genau die richtige Zeit sein, um zu erkennen, womit Sie aufhören können, ohne dass Ihnen etwas fehlt.

Ich möchte die aktuelle Lage keinesfalls schönschreiben und ich habe großes Verständnis für jeden, dem die aktuellen Einschränkungen im privaten Bereich schwer fallen. Aber es wird nicht besser, wenn Sie ständig auf das schauen, was aktuell gerade nicht geht. Fokussieren Sie auf Ihre Möglichkeiten und Gestaltungschancen – Sie werden sehen, es fühlt sich besser an.

Deshalb noch ein paar Fragen, die Ihnen dabei helfen können:

Was könnten Sie Neues entdecken? Was wollten Sie immer schon einmal, aber es war nie Zeit dafür?

Wer war in den letzten Wochen für Sie da und hat Sie unterstützt? Vielleicht gibt es neue Freunde und Bekannte, neue Beziehungen, die intensiviert werden können oder alte die die reaktiviert werden können? Und – wie geht das, auch wenn man sich gerade nicht treffen kann?

Wen wollten Sie schon so oft mal wieder anrufen, aber irgendwie hat es nie gepasst? Wer freut sich auf Sie?

Was von dem, was Sie immer getan haben, fehlt gerade nicht? Ist vielleicht die Zeit gekommen, damit aufzuhören?

Und was noch?

Fokussieren Sie Ihre Möglichkeiten – viel Spaß dabei!

Ein schönes Wochenende!

Stress ist ansteckend!

Ein sehr interessantes Experiment stellen Psychologen der Universitäten gießen und Wien vor. Sie geben eine Antwort auf die Frage, ob Stress ansteckend ist. Dazu haben Sie 110 Probanden in Kleingruppen unterteilt und in der einen Hälfte der Gruppe ein besonderes Wir-Gefühl erzeugt, in der anderen nicht. Danach  wurden einzelne Teammitglieder in Stress versetzt, in dem sie bestimmte Aufgaben lösen mussten. Der Rest der jeweiligen Gruppe beobachtetes den Probanden. Mittels mehrerer Speichelproben untersuchten die Forscher, inwieweit das Stresshormon Cortisol nachzuweisen war.

Ergebnis:

Nicht nur die Probanden, die die Aufgabe zu lösen hatten, gerieten in Stress, sondern auch die Beobachter, wobei sich die Gruppe, in der ein Wir-Gefühl hergestellt wurde, signifikant häufiger anstecken ließ.

Stress ist also ansteckend!

Je intensiver die Bindung zur gestressten Person, wie etwa in langjährigen Teams, desto größer die „Ansteckungsgefahr“. Als Führungskraft sollte man also aufhörchen und auch dann besonders sensibel hinschauen, wenn vermeintlich nur einzelne Personen gestresst wirken. Es könnte schnell ein „Flächenbrand“ werden.

(die Ergebnisse wurden publiziert in managerseminare 1/2021)

Moderne Arbeitskultur ist beliebt

72% der Befragten arbeiten lieber in einem Unternehmen mit einer modernen Arbeitskultur. Das stellt das Beratungsunternehmen Königsteiner wenig überraschend in einer Befragung von 3000 Arbeitnehmern fest. Schon interessanter sind die Elemente, die nach Ansicht der Befragten eine solche moderne Arbeitskultur ausmachen. Dabei wurden vor allem vier Aspekte genannt:

-> flache Hierarchien,
-> duzen,
-> Partizipation und
-> eine coachende Führung.

Die Bandbreite der Ergebnisse nach Altersgruppen schwankt dabei weniger, als man annehmen könnte. Jüngere Mitarbeiter (18-29) dachte sogar zu 79% so, allerdings kamen auch die alten Kolleginnen und Kollegen (60-69) noch auf eine Quote von 66%.

Viele Unternehmen sind auf dem Weg zu einer modernen Arbeitskultur, angekommen sind sie offenbar noch nicht. Nur 52% der Befragten werden bereits an den Zielfindungen beteiligt und 54% der Befragten gaben an, dass sich ihre Führungskraft als Coach versteht. Geduzt wurde in dieser Befragung i zwei Drittel der Unternehmen, wobei kritisch zu hinterfragen wäre, ob dies wirklich ein relevantes Kriterium einer modernen Unternehmenskultur ist.

In einem Aspekt aber herrschte offenbar weitgehende Einigkeit: Als besonders wichtig wurde ein klares Leitbild genannt, dass auch an alle kommuniziert wird. Nur so könne der nötige Cultural-fit hergestellt werden.

Da böte es sich doch an, beim Leitbild gleich mit der Partizipation der Mitarbeitenden zu beginnen. Wer am Leitbild aktiv mitgearbeitet hat, dürfte sich auch mit der Identifikation deutlich leichter tun.

(die Ergebnisse wurden publiziert in managerseminare 1/2021)