Der MP Impuls zum Wochenende

Vielleicht kennen Sie solche Tage ja auch: Irgendwie bin ich heute nicht gut drauf, obwohl ich gar keinen Grund dafür habe. Ich bin leicht reizbar und alles geht mir irgendwie sehr schnell auf den Wecker. So kenne ich mich eigentlich gar nicht, denn es geht mir gut. Heute aber geht mir auch jede Bemerkung, die einer meiner Mitmenschen macht, eher auf den Geist. Für die kleinen Späße habe ich keine Muße und alles nehme ich doch eher persönlich. Schließlich gehe ich mir selbst auf den Nerv und der Tag geht unproduktiv zu Ende und geschafft habe ich nichts. Das liegt auch daran, dass mir von Tagesbeginn an nicht wirklich klar war, was ich eigentlich schaffen wollte.

“Solche Tage kenne ich gut”, seufzen Sie jetzt? Ja, solche Tage kenne fast alle.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass es “uns” gar nicht gibt, denn wir sind nicht einer, sondern viele. Vielleicht kennen Sie den Spruch und Buchtitel: “Wer bin ich und wenn ja, wie viele?”.

Wir alle haben verschiedene Persönlichkeitsanteile und alle meinen es gut mit uns. Jeder Anteil verfolgt eine positive Absicht und möchte für uns etwas Gutes bewirken, z.B. uns schützen oder erfolgreich machen. Nun verfolgen diese Anteile in Teilbereichen manchmal auch sich deutlich widersprechende Ziele und Absichten. Dann kommt es – bildlich gesprochen – zum Streit der beiden oder gar mehrerer Anteile. Das fühlt sich – oft unbewusst -nicht gut an. Viele Menschen haben auch sehr starke Anteile (teilweise zwangsläufig, weil diese z.B. jeden Tag gebraucht werden, um im Beruf zu bestehen), die dann oftmals dominant sind und andere Anteile jahrelang unterdrücken. Das führt irgendwann zu einem Defiziterleben, zu Unzufriedenheit und manchmal dann zu ganz drastischen Reaktionen.

Vielleicht mache ich noch ein simples Beispiel an meiner eigenen Person: Ich habe einen Anteil, den ich den “Sportler” nenne. Es ist ein sehr alter Anteil, denn er ist entstanden als ich ein Kind war. Sport war immer wichtig für mich. Dieser Anteil will mich fit und gesund halten. Bei den aktuellen Temperaturen sagt dieser Anteil jeden Morgen zu mir: “Du solltest Sport treiben, denk an dein großes Herz, das braucht Impulse. Steh früh auf, um 6 Uhr ist es noch kühl, lass dich nicht hängen.” Der Anteil in mir hat natürlich vollkommen recht. Es gibt aber auch einen anderen Anteil in mir, den noch jung ist. Es gibt ihn vielleicht erst seit 3-4 Jahren. Ich nenne ihn mal den “Müßiggänger” und der möchte mir helfen, den Alltag mehr zu genießen und mich von den vermeindlichen Verpflichtungen anderen gegenüber zu befreien. Dieser Anteil sagt aktuell: “Du hast dein ganzes Leben Sport gemacht, bei dieser Hitze lass es einfach sein. Es ist Zeit einfach mal nichts zu tun, leb in den Tag hinein, trink Kaffee und lass die Seele baumeln.” Bevor der Sportler in mir “Eh, spinnst du” schreien kann, höre ich hier mal auf, Sie haben das Beispiel sicher verstanden.

Ich habe schon oft und mit vielen Klienten mit ihren Persönlichkeitsanteilen gearbeitet, denn was auf den ersten Blick so hinderlich erscheint, ist auch eine der größten Hilfen, um dem Dilemma wieder zu entkommen. Oft begegnen mir Menschen, die einen Satz beginnen mit: “Ich bin…” und dann kommt meist irgendeine selbst abwertende oder auf Hilflosigkeit deutende Formulierung. Damit geht es meinen Klienten natürlich im eigenen Erleben oft sehr schlecht. Wenn man aber dem Teilemodell folgt, dann bin nicht ich, sondern nur ein Teil von mir z.B. gerade hilflos, genervt, überfordert oder was auch immer. Wenn ich viele bin, dann gibt es immer auch andere Teile, die jetzt hilfreich sein können, die ich nur gerade verdränge oder nicht spüre. Diese kann ich aber aktivieren und schon geht es mir viel besser. Nicht “ich bin” sondern “ein Teil von mir ist” (oder wie Dr. Gunther Schmidt, Deutschlands führender Hypnotherapeut, bei dem ich viele Anleihen für meine Arbeit nehme, “eine Seite von mir” ist), das sorgt sofort für ein vollkommen anderes Erleben. Dazu kommt auch noch, dass wenn meine Klienten erstmal erkannt haben, dass alle Anteile ihnen Gutes wollen und für sie eine positive Absicht verfolgen, dann ist es auch viel leichter, den Anteilen zu danken und sie dann aber für eine gewisse Zeit gezielt zur Seite zu stellen: “Danke dass es dich gibt, aber heute bist Du nicht dran.” Mein Sportler hat heute Pause.

Wenn der Spruch im Titel meines heutigen Impulses bei Ihnen Resonanz ausgelöst hat, dann fragen Sie sich doch mal, welche Anteile bei Ihnen vielleicht gerade miteinander in Konkurrenz sind oder welcher Anteil schon lange nicht mehr bedient wurde und deshalb sich vielleicht bei Ihrem Unterbewusstsein meldet und Sie auch für sich selbst eher unleidlich macht.

Ich wünsche Ihnen einen guten inneren Dialog und ein schönes sonniges Wochenende!

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