Der MP Impuls zum Wochenende

Ich treffe einen neuen Cochingnehmer und freue mich darauf. Ein junger Mann, gerade zum Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens berufen. Er soll das Unternehmen in ein paar Jahren übernehmen. Ich darf ihn begleiten auf dem Weg dorthin – Sparringspartner, Coach, Mentor, Trainer, von jedem etwas – großartiges Mandat.

Ich habe mich so weit als möglich schlau gemacht, auch seine online-Profile besucht, ich habe ein Bild, wer da gleich durch die Tür kommen wird. Dann klopft es und…

Sie ahnen es, der junge Mann im meinem Kopf hatte keinen Vollbart, keine langen Haare und auch keine riesige Brille im Gesicht. Das war nicht mein Kunde – war es natürlich doch.

Ich schluckte zweimal, fasste mich und konnte nicht anders – ich hielt einen 90 Sekunden Kurzvortrag zum Thema “Psychologie des ersten Eindrucks”.

Danach verstanden wir uns prächtig und ich freue mich sehr auf die Arbeit mit ihm und ich denke, es geht ihm genauso.

Was war passiert? Selbst mir könnte ich hinzufügen, der nach vielen Jahren als Coach die Mechanismen kennt und von sich behaupten würde, er könne damit umgehen. Ich hatte Erwartungen, wer da gleich durch die Tür kommt und diese wurden enttäuscht. Das hat mich irritiert und einen Moment verunsichert. Es war, als wollte mich das Leben die Psychologie des ersten Eindrucks nur mal wieder kurz live erleben lassen.

Nun sind Sie an der Reihe, stimmt Ihr Bild in der Öffentlichkeit noch mit Ihnen überein? Was ist mit Ihren Fotos auf Internetseiten oder in Firmenbroschüren? Kommen Sie als derjenige durch die Tür, den der Kunde erwartet?

Nein – eher nicht mehr? Aber das ist doch nicht so schlimm? Na ja, vielleicht doch. Wo auch immer wir ein Bild von uns vermitteln, das mit der Realität nicht übereinstimmt, erzeugen wir Erwartungen, die beim persönlichen Kennenlernen enttäuscht werden. Das zieht zwei negative Effekte nach sich:

Einerseits hinterlässt es keinen guten ersten Eindruck, denn der andere ist irritiert. Wenn uns die Psychologie des ersten Eindrucks vermittelt, dass wir danach erstmal alles tun, diesen ersten Eindruck zu verstärken, dann sucht ihr Gegenüber also nach weiteren Dingen, die vielleicht nicht so sind, wie er es erwartet hat (z.B.: Ist die Firma vielleicht doch nicht so solide? Haben Sie vielleicht doch nicht das Fachwissen, das Sie vorgeben zu haben? usw.). Sie sollten überlegen, ob Sie das wirklich wollen.

Zum zweiten aktivieren enttäuschte Erwartungen das Schmerzzentrum in unserem Gehirn, was unweigerlich zur Ausschüttung von Cortisol führt. Das ist ein Hormon, was dafür sogt, dass wir uns weniger gut fühlen und unsere kognitiven und kreativen Fähigkeiten vorübergehend vermindert. Ob das für Sie der gewünschte Zustand Ihres Gegenübers ist, entscheiden Sie bitte selbst. Meine Erfahrungen ist zumindest die, das begeisterte Kunden eher kaufbereit sind und die haben andere Hormone im Blut.

Fazit: Ein authentisches Bild von sich selbst abzugeben ist wichtig, um keine Störungen beim ersten Eindruck zu verursachen. In unsere medialen Welt ist das mitunter gar nicht so einfach. Also vielleicht suchen Sie mal, ob Ihre Bilder alle noch authentisch sind.

Ein schöne Wochenende!

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